Du fühlst dich oft unwohl – aber kannst nicht genau sagen, weshalb.
Dein Herz klopft schnell, dein Nacken ist ständig verspannt, du hast einen geblähten Bauch oder einen Kloss im Hals.
Gleichzeitig denkst du: „Ich weiss gar nicht, was und wie ich mich wirklich fühle.“
So geht es vielen Menschen. Noch viel ausgeprägter ist es bei Betroffenen, die in einer Essstörung gefangen sind.
Sie spüren die Schmerzen ihres Körpers – aber sie verstehen nicht, dass dieser Körper die Sprache der Gefühle spricht.
Denn Gefühle sind nicht nur Gedanken. Sie sind körperliche Erfahrungen. Wenn wir sie immer mehr unterdrücken oder grosszügig übergehen, werden sie nicht leiser, sondern lauter.
Dieser Artikel hilft dir dabei, die Verbindung zwischen deinem emotionalen Erleben und den körperlichen Reaktionen besser zu verstehen.
Dein Körper lädt dich jeden Tag aufs Neue dazu ein, wieder in eine liebevolle und achtsame Verbindung mit deinen Emotionen zu kommen.
Warum wir oft den Kontakt zu unseren Gefühlen verlieren
In unserer Gesellschaft gelten Gefühle oft als störend, schwach, unlogisch oder unproduktiv.
„Reiss dich zusammen.“
„Das ist doch nicht so schlimm.“
„Emotionen bringen doch nichts.“ «Hör mal auf mit diesem Gefühls-Quatsch und konzentriere dich besser auf deine Leistungen.»
Diese Sätze und viele weitere mehr prägen viele Menschen von klein auf.
Als Folgen davon können sich über die Jahre folgenden Einschränkungen zeigen:
- Wir lernen, unsere Emotionen zu unterdrücken, abzuwürgen oder zu überspielen
- Wir lernen dass denken wertvoller und wichtiger ist, als wahrzunehmen und zu fühlen
- Wir analysieren und optimieren, anstatt zu fühlen und auf unsere Intuition zu vertrauen
- Wir funktionieren und liefern ab, anstatt lebendig und kreativ zu sein
Gerade bei chronischem Stress, Trauma oder übermässigem Leistungsdruck kapseln sich viele Menschen von ihren Gefühlen ab um die Belastung besser auszuhalten. Sie werden „verkopft“ oder „taub“.
Doch die unterdrückten Gefühle verschwinden nicht.
Sie waren durch die Unterdrückung im Körper eingeschlossen und zeigen sich als Spannung, Erschöpfung, Druck etc
Der Körper als Spiegel unserer emotionalen Welt
Emotionen sind nicht „nur“ psychisches Getue, sie sind neurobiologische Abfolgen.
Jede Emotion geht mit einer körperlichen Reaktion einher, die über das autonome Nervensystem und das limbische System im Gehirn gesteuert wird.
Hier ein paar Beispiele dazu:
- Wut: Spannung im Kiefer, Hitze im Kopf, geballte Fäuste, angespanntes Zittern
- Angst: schneller Herzschlag, flache Atmung, weiche Knie, kalte Hände
- Trauer: Druck auf der Brust, Kloss im Hals, Tränen, Müdigkeit
- Scham: Hitzewallung, roter Kopf, gesenkter Blick, Rückzug
- Freude: Wärme, Weite im Brustraum, leichtes Kribbeln, Lächeln
- Eifersucht / Neid: Ziehen im Magen, Engegefühl, Nervosität
Der Körper spricht immer vor dem Verstand und oft bevor du überhaupt bewusst weisst und verstehst, was du fühlst.
Es ist ganz wichtig diese körperlichen Signale ernst zu nehmen. Sie weder zu bewerten noch zu vergleichen, sondern alles, was du fühlst darfst du an heute achtsam erforschen und zulassen. Das ist ein erster Schritt auf deinem Weg zurück zu emotionaler Klarheit und innerer Ruhe und Stabilität.
Wie Emotionen sich körperlich zeigen – und was sie dir sagen wollen
Gefühle sind evolutionär gesehen Signale zur Anpassung und Orientierung.
Sie weisen auf ganz persönliche Bedürfnisse hin. Bedürfnisse nach Sicherheit, nach Verbindung, nach Autonomie, nach Grenzen, Anerkennung, Frieden oder Ruhe.
Mögliche Zusammenhänge als Beispiele:
- Angst signalisiert ein Bedürfnis nach Schutz oder Kontrolle
- Wut will oft aufzeigen, dass eine Grenze überschritten wurde
- Traurigkeit deutet auf einen Verlust oder ein nicht erfülltes Bedürfnis hin
- Eifersucht kann auf ein Bedürfnis nach Sicherheit oder Exklusivität in Beziehungen hinweisen
Der Körper ist das wichtigste Sprachrohr dieser Bedürfnisse und Sehnsüchte.
Wenn du lernst, ihn besser zu verstehen, kannst du Gefühle nicht nur identifizieren, sondern sie auch angemessen beantworten, sie einordnen und mit ihnen umgehen.
Mögliche Folgen, wenn wir Gefühle unterdrücken
Gefühle verschwinden nicht einfach, wenn wir sie übergehen oder ignorieren.
Sie suchen sich andere Wege. Wenn sie lange Zeit unterdrückt werden, und wir sie über Jahre oder gar Jahrzehnte übergangen haben, dann entstehen daraus oft somatische Beschwerden, psychische Symptome oder destruktive Verhaltensmuster.
Mögliche Auswirkungen solcher Verlagerungen:
- körperlich: Verspannungen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Erschöpfung, Immunschwäche
- emotional: Reizbarkeit, emotionale Taubheit, depressive Verstimmung
- verhalten: emotionales Essen, Rückzug, Kontrolle, Druck, Wutausbrüche
Studien zeigen dass chronisch unterdrückte Gefühle den Cortisolspiegel erhöhen, das Herz-Kreislauf-System belasten und können langfristig zu psychosomatischen Erkrankungen führen können.
Sie blockieren und verhindern zudem all das, was wir uns eigentlich wünschen: echte Nähe, Selbstwirksamkeit, Verbundenheit, Fürsorge oder Lebendigkeit.
Der Weg zurück: Gefühle zulassen lernen
Gefühle zuzulassen heisst nicht, von ihnen überflutet zu werden.
Es bedeutet: Sie zu erkennen, zu benennen, sie anzunehmen, zu akzeptieren und sie in einem ersten Schritt einfach zuzulassen.
Das braucht Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, stetiges Training und vor allem Vertrauen in sich selbst.
Daher beginnt der Weg zu unseren Emotionen oft über den Körper:
- Wenn du Wut spürst, dann nimm sie zuerst einfach als Energie wahr und geh nicht sofort in eine Handlung über.
- Wenn du Traurigkeit spürst, dann nimm einfach den Druck, die Schwere oder die Tränen wahr ohne etwas dagegen zu tun. Lass es erst mal einfach zu.
- Wenn du Angst spürst, dann nimm erst einfach deinen Atem, die Enge in der Brust, die zugeschnürte Kehle wahr und den unmittelbar damit verbundenen Wunsch, dich zu schützen.
Je öfter du dir erlaubst, deine Emotionen ganz bewusst wahrzunehmen, sie zuzulassen und sie auch wieder gehen zu lassen ohne sie wegzudrücken oder aktiv loswerden zu wollen, umso stabiler wird deine innere emotionale Landkarte und du lernst stetig besser damit umzugehen.
Zudem verstehst du immer mehr, dass du nicht deine Emotion bist. Deine Gefühle wollen einfach gehört und angenommen werden.
5 Übungen und Impulse zur Verbindung mit dem Körper und Gefühlen
Gefühls-Body-Scan
Lege dich ruhig hin. Atme einige Male tief ein und aus.
Wandere gedanklich durch deinen ganzen Körper und frage dich in jedem Bereich:
Was spüre ich hier gerade? Wie fühlt sich der Körperteil an? Was zeigt sich hier? Ist es Spannung? Wärme? Enge? Leere? Kälte? Ruhe? Druck? etc
Was könnte dieses körperliche Gefühl emotional bedeuten? Wo darf ich hinschauen und welche Themen wollen sich dadurch zeigen?
Gefühle benennen statt wegdrücken
Nutze folgende Satzstruktur regelmässig und nutze sie laut gesprochen oder halte sie schriftlich in deinem Notizbuch fest:
Ich fühle… (z. B. Druck in der Brust)
Ich nehme wahr… (z. B. Anspannung in den Schultern)
Ich vermute, das Gefühl dahinter ist… (z. B. Angst, Überforderung)
Ich kann mir vorstellen, dass ich dadurch folgendes Thema anschauen darf…
Diese Benennung bringt Bewusstheit – und Bewusstheit bringt Handlungsspielraum.
Fokus auf deinen Atem bei intensiven Gefühlen
Wenn Emotionen dich überwältigen kannst du folgende Übung anwenden:
Lege eine Hand auf deinen Bauch und atme tief in den Bauchraum hinein.
Stelle dir dabei vor, dass du „durch“ das Gefühl hindurch atmest und es sich dadurch langsam auflöst. Damit gehst du nicht dagegen oder in Widerstand mit dem Gefühl.
Oft genügt das schon, um die Welle nicht zu stoppen sondern sie loszulassen.
Ein Tagebuch für Körper und Gefühle
Führe ein „Gefühlsjournal“:
- Was hat sich im Körper gezeigt?
- Was habe ich wahrgenommen, Schmerzen, Druck etc?
- Was hat mich gefühlsmässig belastet?
- Welche Gedanken hatte ich dabei?
- Was hätte ich in dem Moment gebraucht?
- Was hätte meinem Körper gut getan?
Dieses Niederschreiben schenkt dir mehr und mehr Struktur und Erkenntnisse für das, was in deinem Körper wirkt. Ohne es abzuwürgen oder zu unterdrücken.
Positive Glaubenssätze verankern
Gefühle sind nicht gefährlich. Sie sind Hinweise, Barometer und keine Gegner.
Wähle dazu Sätze wie zum Beispiel:
- „Meine Gefühle dürfen da sein und sind ok. Ich bin jederzeit sicher und geborgen.“
- „Auch starke Gefühle machen mich nicht schwach.“
- „Ich lerne, mich selbst durch jede Emotion zu begleiten.“
- «Mehr und mehr nehme ich meine Gefühle wahr und ernst, kann sie deuten und weiss wie ich damit umgehen kann.»
Diese Sätze kannst du schriftlich festhalten und sie beliebig erweitern und ergänzen. Wiederhole sie mehrmals täglich oder verbinde sie mit einer achtsamen Körper-Meditation.
Fazit: Du bist nicht zu sensibel. Du bist verbunden mit dir
In einer Welt, die Gefühle oft für Schwäche hält, braucht es Mut, sie wahrzunehmen und zuzulassen.
Denn genau darin liegt die Kraft für deine Intuition und das Vertrauen in deine Gefühle.
Dein Körper weiss genau, wie Emotionen sich ausdrücken und wie du sie ohne Schmerzen stehen lassen kannst.
Damit kannst du lernen, Körper und Gefühle wieder in Einklang zu bringen.
Gefühle sind keine Gefahr. Sie sind ein wichtiger teil deiner Intuition und deiner Lebendigkeit.
Je mehr du dich mit ihnen verbindest und sie annimmst, umso mehr wirst du dich selbst wieder wahrnehmen spüren. Ganz. Achtsam. Stark. Authentisch. ❤️


