Wenn du dich selbst bestrafst: Härte, Ekel und täglicher Missbrauch im Leben mit Bulimie

Inhaltsverzeichnis

Der Schmerz und die Trauer hinter dem Lächeln

Vielleicht kennt dich niemand wirklich. Vielleicht wirkst du im Aussen super organisiert, hast alles unter Kontrolle, siehst super aus und funktionierst (scheinbar) perfekt. Doch im Innen bist du absolut leer, tief einsam, hart mit dir und kämpfst täglich gegen deinen Körper.
Du bist Richterin, Henkerin, Gefangene, Täter und Opfer in einem.

Was nach aussen aussieht wie Disziplin oder «Wow – die hat echt alles im Griff!» ist in Wahrheit brutale Härte gegen sich selbst. Hinter Höchstleistung und scheinbar „gesund“ versteckt sich tiefer Selbsthass und unvorstellbarer Ekel vor dem eigenen Körper. Und das, was du täglich tust – das „Sich-zusammenreissen“, das Erbrechen, exzessiver Sport, hungern oder die deinen Alltag beherrschenden Gedanken rund ums Essen, Kalorien, Gewicht, Kontrolle etc. ist nichts anderes als ein schleichender, systematischer Missbrauch am eigenen Körper.

Warum wir so hart zu uns selbst werden

Du bist nicht auf die Welt gekommen mit dem Gedanken: „Ich bin falsch.“ oder «Mit mir stimmt etwas nicht.» oder «Ich passe da nicht rein.» oder «Ich bin zu wenig gut.» Das kam alles viel später.
Esssttörungen können durch scheinbar lapidare Bemerkungen wie zum Beispiel: „Du musst etwas aufpassen mit dem Essen, sonst wirst du zu dick.“ oder «Das verstehst du nicht, das kannst du gar nicht wissen.» oder «Sei nicht immer so laut.» oder «Hör mal auf so fordernd zu sein.» oder «Sei jetzt einfach mal anständig und benimm dich.»
Vielleicht hast du dadurch wie ich mit der Zeit «gelernt», dass Liebe nur da ist, wenn du brav, angepasst, dünn, schön, perfekt, stark und leistungsfähig bist und die Erwartungen im Aussen und der Anderen erfüllst.

Durch all diese über Jahre stattfinden Einschränkungen, Bewertungen, Vergleiche und Zurück- bzw Zurechtweisungen wurdest du mehr und mehr zu deiner eigenen Kritikerin. Du hast dich immer mehr von dir selbst, deiner Liebe und Sanftheit entfernt, bist immer härter gegen deinen eigenen Körper geworden.
Du hast gelernt, dich zu bestrafen oder dich selbst zu unterdrücken, wenn du versagt hast oder zu wenig gut warst.
Und irgendwann war dein Körper der Ort, über den du all die Wut, den Frust, die Traurigkeit, den Schmerz, die Schuldgefühle, die Scham etc, die du nicht mehr aushalten oder ertragen konntest, abgeleitet hast.

Ekel gegenüber dem eigenen Körper – das unsichtbare Gift

Weisst du, wie viele Frauen mir erzählen, dass sie sich „abartig“ oder «hässlich» oder «unpassend» fühlen? Dass sie sich ekeln, wenn sie in den Spiegel schauen oder wenn sie das Gefühl haben, zu viel gegessen zu haben? Oder wie eine Klientin von mir, die über 20 Jahre nur im Dunkeln geduscht hat, weil sie sich so geekelt hat vor ihrem eigenen Körper.

Dieser Ekel ist nicht einfach da. Er wächst mit jedem Tag, an dem du dich selbst ablehnst, dich mit anderen vergleichst oder versuchst, deinen Körper zu kontrollieren oder passend fürs Aussen zu machen.
Es ist ein schleichendes Gift, das dich innerlich auffrisst – und dich gleichzeitig immer mehr von dir selbst entfernt.

Und das alles trifft meist hochsensitive, wundervolle und schöne Menschen – schön im Innen und Aussen. Menschen mit einem unglaublich grossen Herz voller ehrlicher und bedingungsloser Liebe und einer fühlbaren, tiefen Sanftheit.

Täglicher Missbrauch: Was du deinem Körper wirklich antust

Bulimie ist nicht nur eine Essstörung – sie ist eine Gewalt gegen dich selbst.
Jeder Fressanfall ist wie ein Schlag mit dem Hammer auf deinen Kopf.
Jedes Erbrechen ist wie ein Tritt gegen deinen eigenen Körper.
Jede Lüge, jedes Versteckspiel, jede Ausrede ist eine weitere Mauer, die dich von dir selbst trennt.

Wenn du das Gefühl kennst, dich nach einem Anfall so sehr dafür zu hassen was du getan hast. Wenn du das Gefühl kennst, dich nach dem Anfall vor dir selbst zu ekeln, zu weinen, zu zittern ja ab und zu fast zusammenzubrechen neben der Toilette, dann weisst du genau, was ich damit meine.
Es fühlt sich an wie eine tägliche Selbstbestrafung und trotzdem machen wir immer weiter damit. Wir fühlen immer weniger, die Härte gegen uns selbst nimmt dafür täglich noch mehr zu.

Wie sich das Leben in der Bulimie anfühlt

Gefangen.
Wie eingesperrt in einem dunklen Raum ohne Ausgang.
Mit einer Stimme im Kopf, die dich 24/7 beherrscht und dir immer wieder sagt:
„Du bist nicht gut genug.“
„Du bist schwach.“
„Du hast wieder versagt.“ «Du schaffst es eh nicht.» «Du bist sowieso nichts wert.»
«Dass hast du nicht verdient.»
«Heute gibts noch weniger.»
«Wenn du das isst, musst du mind 2h Sport machen.»
«Das hat viel zu viele Kalorien.» und noch so vieles mehr. Tagein, tagaus beherrschen diese Gedanken unser Leben.

Oft lachen Betroffene, sind nach aussen super perfekt, helfen und dienen, leisten und liefern ab. Doch innerlich sind sie leer, zutiefst einsam und zerbrechen jeden Tag etwas mehr.
Oft vergessen sie, wer sie sind. Ihr Leben und ihr Alltag sind definiert und beherrscht durch die Bulimie. Eine Thema, welchem wir in meinen Begleitungen und Seminaren nachgehen: «Wer bist du ohne die Bulimie?». Was passiert wenn du loslässt und vertraust? Was passiert wenn du die Härte in Liebe, Frieden, Achtsamkeit, Selbstfürsorge und Sanftheit wandelst?

Was du deiner besten Freundin niemals sagen würdest – aber täglich tust

Würdest du zu deiner besten Freundin sagen:
„Du bist eklig.“
„Du hast es nicht verdient zu essen.“
„Du bist schwach und wertlos.“
«Das ist verboten, hat zu viele Kalorien und macht dich dick.» etc?

Das würdest du bestimmt nicht tun, denn du liebst deine besten Freundin genauso wie sie ist. Das tragische daran ist, dass du dir selbst diese Sätze täglich einredest. Dich damit immer wieder schlecht und klein machst.
Du tust dir selbst Dinge an, die du niemandem auf der Welt antun würdest ausser dir selbst.
Warum?
Weil du irgendwann geglaubt hast, dass du es verdient hast schlecht behandelt zu werden und zudem meist Liebe mit Härte verwechselt hast. Doch das stimmt nicht und bedarf einem Umdenken und der Offenheit um neue Möglichkeiten, neue Denk- und Sichtweisen in dein Leben einzulassen. Dieses Umdenken ist möglich. 

Sanfter Ausstieg: Erste Schritte in Richtung Heilung

Ganz wichtig für einen Ausstieg und den Weg in die Freiheit: Langsamer ist schneller. Du musst nicht heute alles in deinem Leben komplett verändern.
Aber du darfst heute damit anfangen, den Weg mutig zu gehen. Du darfst anfangen, dich zu sehen und erkennen, wie wertvoll, liebenswert, grossartig und wundervoll du wirklich bist.

Vielleicht beginnst du heute damit, dir selbst einen Brief zu schreiben – einen Brief, in dem du all deine Wut, deinen Hass, aber auch deine Sanftheit, Liebe und dein Mitgefühl zu dir und deinem Körper als eine Freundin ausdrückst.
Oder du stellst dir heute und in den nächsten Tagen immer wieder nur diese eine Frage:
Was würde ich heute anders tun und wählen, wenn ich mir ein kleines Stück Entspannung und Leichtigkeit erlauben und gönnen dürfte?

Vielleicht ist es ein ganz bewusster, tiefer Atemzug.
Oder ein Tanz zu deiner Lieblingsmusik. Oder du malst ein Mandala oder ein Bild für dich selbst.
Vielleicht ist es ein Nein zu jemand anderem, dafür ein Ja an dich selbst. Vielleicht findest du auf Anhieb gar nichts, weil es so ungewohnt ist, dir selbst etwas zu erlauben. Das spielt keine Rolle. Stelle dir die Frage in den nächsten Tagen trotzdem immer wieder und lass sie einfach wirken ohne sofort eine Antwort zu haben. 

Fazit: Du darfst aufhören, dich zu verletzen

Du bist kein Monster.
Du bist kein Problem.
Du bist nicht falsch.

Du bist ein wundervoller Mensch mit intensiven Gefühlen, sehr oft hochsensitiv und mit einer ausgeprägten Wahrnehmung, mit alten Verletzungen und einer sanften Stimme in dir, die dich dabei unterstützt und dich motiviert den Weg in die Freiheit zu gehen und zu heilen.

Auch wenn es sich noch nicht so anfühlt und du nicht genau weisst, wie dieser Weg funktioniert. Der Weg in die Freiheit ist immer möglich. Auch für dich. Du hast ein freies und selbstbestimmtes Leben verdient ❤️!
Ein Weg raus aus der Härte, aus dem Ekel und aus dem täglichen Missbrauch.
Ein Weg zurück in ein erfülltes, glückliches und sanftes Leben – in Liebe, im Frieden und in Freiheit.

Dein nächster Schritt in die Freiheit

Wenn du jetzt spürst, dass es Zeit ist – oder vielleicht auch nur ein ganz leises Flüstern in dir hörst – dann lade ich dich von Herzen gern zu einem persönlichen Gespräch mit mir ein:
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Ein achtsamer, geschützter Raum, in dem du verstanden wirst, in dem du dich nicht erklären musst – weil ich dich sehe, dich verstehe und weiss wie du dich fühlst. Aber auch weil ich weiss, wie der Weg zurück ins Leben auch für dich möglich wird. Von Herz zu Herz ❤️.

Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Inhalte beruhen auf persönlichen Erfahrungswerten von meinen Klientinnen und mir und erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder abschließende Vollständigkeit. Alle Aussagen und Informationen sollen der Prävention und Aufklärung dienen und NICHT zum Nachahmen oder als Start in die Essstörung verstanden werden!

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