Mit Achtsamkeit zu einem verbindenden Körpergefühl

Andrea Ammann Bulimie Seminar

Der Körper. Unser Zuhause. Und doch: So viele Menschen – vor allem Menschen, die in einer Essstörung gefangen sind – fühlen sich entfremdet, abgetrennt, ja sogar regelrecht in einem täglichen Kampf gegen ihren eigenen Körper.
Das Körperbild wird zur Quelle von Unsicherheit, Bewertung, Angst. Besonders in unserer Leistungsgesellschaft, wo Optimierung, Selbstkontrolle, scheinbare gesundheit oder Schlankheitswahn glorifiziert wird, geht etwas Wesentliches mehr und mehr verloren: die liebevolle Verbindung zum eigenen Körper.

Achtsamkeit und Wertschätzung dem eigenen Körper gegenüber kann genau hier ansetzen und Veränderung ermöglichen – sanft, liebevoll und in der Tiefe heilend.
Dieser Artikel zeigt dir, wie du durch achtsame Körperwahrnehmung wieder zurück zu dir finden kannst, den Druck zu passen, zu gefallen und perfekt zu sein loslassen und Schritt für Schritt ein neues Körpergefühl entwickeln kannst – jenseits von äusseren, unechten Vorbildern, Bewertungen, Regeln, Vergleichen oder gesellschaftlichen Normen und Erwartungen.

Inhaltsverzeichnis

Warum viele Menschen den Kontakt zum eigenen Körper verlieren

Viele Menschen – vor allem Frauen – lernen durch verschiedene Einflüsse sehr früh in der Kindheit, spätestens als Jugendliche:
„Du musst gut aussehen, schlank sein, funktionieren grossartige Leistung bringen etc – erst dann wirst du gesehen, beachtet oder anerkannt. Erst dann bist du wertvoll oder liebenswert.“
Diese Glaubenssätze, die sich mehr und mehr einbrennen, führen zu einer Haltung der ständigen Selbstkontrolle, in der der Körper nicht als fühlendes Wesen, als unser zu Hause, sondern mehr und mehr als Objekt behandelt wird.

Typische Folgen können zum Beispiel sein:

  • Der Körper wird „von aussen“ bewertet (Gewicht, Figur, Haut, sportliche Leistung etc)
  • Körpersignale wie Hunger, Müdigkeit oder Stress werden ignoriert
  • Selbstfürsorge weicht Perfektionismus
  • Essverhalten und Bewegung werden durch strikte Regeln, Verbote, Einschränkungen und nicht durch persönliche Bedürfnisse gesteuert

Das Ergebnis: Die Verbindung zum Körper geht von Tag zu Tag ein Stück mehr verloren.
Betroffene, die in einer Essstörung und im Körper gefangen sind, leben vor allem im Kopf. Sie denken, funktionieren, analysieren, verbieten, leisten, passen sich an, ordnen sich unter, liefern ab – aber sie  fühlen sich selbst kaum noch.

Was bedeutet achtsames Körperbewusstsein wirklich?

Körperbewusstsein ist weit mehr als nur ein «sich im Körper wohlfühlen».
Es bedeutet, die feinen, natürlichen und intuitiven Empfindungen des eigenen Körpers bewusst wahrzunehmen, sie nicht zu bewerten, nicht zu vergleichen sondern sie als Hinweise und Signale ernst zu nehmen. 

Es geht nicht darum, perfekt, schön oder schlank zu sein – es geht darum, präsent und achtsam zu sein.

Ein bewusstes und ehrliches Körpergefühl ermöglicht dir:

  • Frühwarnzeichen für Überlastung oder Erschöpfung zu erkennen
  • Emotionale Zustände im Körper zu lokalisieren (z.B. Angst als Druck im Brustkorb oder ein zugeschnürt sein im Halsbereich etc.)
  • Eigenverantwortung für Gesundheit und Wohlbefinden voll und ganz zu übernehmen anstatt deinen Körper regelmässig zu missbrauchen – oder missbrauchen zu lassen
  • Selbstakzeptanz zu entwickeln – auch vermeintliche «Unperfektheiten» liebevoll anzunehmen, weil sie dich echt sein lassen, genau so wie du bist

Achtsamkeit als Schlüssel zur Selbstwahrnehmung

Achtsamkeit bedeutet, den Moment vollständig und urteilsfrei zu erleben – mit all deinen Sinnen, Gedanken und Gefühlen.
Wenn du mehr Achtsamkeit auf den Körper richtest, verändert sich deine Beziehung zu dir selbst:

  • Du beobachtest statt zu kontrollieren
  • Du nimmst wahr statt zu bewerten
  • Du spürst statt zu analysieren
  • Du liebst satt zu hassen
  • Du bist sanft statt hart 

Diese Haltung führt zu einem achtsamen, liebevollen und sanften Raum zwischen Reiz und Reaktion – zwischen dem, was dein Körper dir sagt, und dem, wie du darauf reagierst oder antwortest. Achte mehr und mehr darauf und verändere all das, was dich gefangen hält in alten, belastenden und einschränkenden Mustern.

Körperliche Präsenz statt Selbstoptimierung

In einer Welt, die ständig nach noch „mehr“ verlangt – mehr Leistung, mehr Disziplin, mehr Perfektion, mehr Schönheit etc – braucht es eine radikale Veränderung, eine neue Sicht- und Denkweise. Erlaube dir mehr und mehr einfach nur zu sein.
Nicht besser, nicht fitter, nicht schöner, nicht perfekte. Sondern: Wahrhaftig. Spürend. Echt. Ehrlich. Authentisch. Präsent und bewusst.

Achtsamkeit mit dem eigenen Körper zu praktizieren, bedeutet:

  • Dich von der Vorstellung zu lösen, dass dein Körper dich ständig „im Stich lässt“ und zu wenig schön oder nicht gut genug ist
  • Das Vertrauen zurückzugewinnen, dass dein Körper ganz genau weiss, was gut für ihn und für dich selbst ist
  • Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge zu entwickeln. Auch in Momenten von Schmerz, Müdigkeit, Wut, Trauer oder extremer innerer Unruhe

Dein Körper ist nicht dein Feind – er ist dein Kompass, dein zu Hause und dein sicherer Hafen. Er ist das Wertvollste, was du hast!

Drei tiefgehende Achtsamkeitsübungen für mehr Verbundenheit mit deinem Körper

1. Body Scan – Reise durch deinen Körper

Diese Übung fördert eine ganzheitliche, nicht-wertende Körperwahrnehmung.
Lege dich an einem ruhigen Ort ganz bequem hin, schliesse deine Augen und führe dich selbst mit achtsamer und verbundener Aufmerksamkeit ganz langsam von unten nach oben durch deinen Körper:

  • Spüre nacheinander in die einzelnen Körperbereiche hinein: Zehen, Füsse, Beine, Becken, Bauch, Rücken, Brust, Schultern, Arme, Hände, Nacken, Kopf.
  • Nimm jede Region einfach wahr – Temperatur, Druck, Schwere, Kribbeln – ohne etwas verändern zu wollen, ohne zu werten, einfach nur wahrnehmen.

Diese Übung erdet dich, schenkt dir Ruhe, beruhigt dein Nervensystem, fördert emotionale Regulation und verbindet dich liebevoll mit deinem ganzen Körper.

2. Achtsame Alltagsbewegung – Präsenz im Tun

Wähle hierzu eine ganz banale, alltägliche Tätigkeit wie zB: Zähneputzen, Duschen, Abwaschen, zur Arbeit fahren, mit den Kindern spielen etc.

Tue sie heute einmal ganz langsam und mit voller Aufmerksamkeit:

  • Wie fühlt sich die Bewegung an?
  • Welche Muskeln sind beteiligt?
  • Was spürst du auf der Haut?
  • Wie fühlt es sich an?
  • Welchen Ablauf hast du gewählt?

Diese bewusste Präsenz im Alltag kann dich mehr und mehr wie ein Anker begleiten.
Sie holt dich augenblicklich zurück in die Verbindung mit deinem Körper. Zurück zu dir und zurück ins Hier und Jetzt.

3. Atemwahrnehmung und progressive Muskelentspannung

Lege dich an einen ruhigen Ort, schliesse deine Augen und lege deine Hände auf den Bauch oder die Brust und nimm für ein paar Minuten durch deine Hände deinen ganz natürlichen Atemfluss wahr.

Atme danach beim einatmen gezielt in einzelne Körperregionen hineinwie zum beispiel in die Schultern, Hände, Bauch oder den unteren Rücken etc. Ergänze dann die Übung durch sanftes Anspannen und Loslassen der einzelnen Muskelgruppen (nach Jacobson):

  • Anspannen – 5 Sekunden halten – bewusst loslassen – Nachspüren.
  • Anspannen – 10 Sekunden halten – bewusst loslassen – Nachspüren.
  • Anspannen – 15 Sekunden halten – bewusst loslassen – Nachspüren.

Ziel: Nimm wahr, wo sich in deinem Körper eine Spannung zeigt und lerne mehr und mehr loszulassen.

Körperbewusstsein im Kontext von Zyklus, Hormonen und weiblicher Identität

Bei vielen Frauen schwankt das Gefühl im Körper im Verlauf des Monats, es ist nicht immer gleich. Der weibliche Zyklus bringt hormonelle Veränderungen mit sich, die Einfluss auf Stimmung, Energie, Hungergefühl und Körperbild haben. Lass dich nicht davon abhalten, eine liebevolle Verbindung, Selbstfürsorge und Achtsamkeit zu deinem Körper beizubehalten. 

Liebevolle Achtsamkeit zu deinem Körper hilft dir auch hier mit deinem Körper in Verbindung zu bleiben:

  • Beobachte und nehem Zyklische Veränderungen wahr, statt sie zu bekämpfen
  • Achte auf die Symptome z. B. PMS, Müdigkeit, Reizbarkeit und nimm sie als Signale deines Körpers. Was braucht er jetzt? Was tut ihm gut?
  • Selbstfürsorge an deinen inneren Rhythmus anzupassen statt gegen ihn zu leben

Je mehr du im Einklang mit deinem natürlichen Rhythmus bist, desto verbundener fühlst du dich mit deinem Körper. Nicht nur an scheinbar “guten” Tagen, sondern jeden Tag.

Vom Funktionieren zum Fühlen: Wie Achtsamkeit heilt

Viele Frauen sind so sehr daran gewöhnt, zu funktionieren, zu leisten, zu passen, zu dienen etc, dass sie es oft gar nicht merken, wenn sie sich selbst und ihren Körper verlassen oder missbrauchen.

Achtsamkeit führt dich in eine präsentes Leben und ein wertschätzendes Zusammenspiel mit deinem Körper zurück. Sie hilft dir:

  • Einen Raum zu erschaffen, in dem Gefühle sein dürfen und einfach ok sind wie sie sind
  • Eine liebevolle Verbindung mit dir selbst und mit deinem Körper zu leben
  • Ein Leben zu geniessen, welches von Vertrauen getragen und nicht durch Kontrolle und Druck belastet wird

Körperwahrnehmung ist der erste wichtige und wertvolle Schritt zu ganzheitlicher  Heilung. Sie bringt dich zurück an den Ort, an dem echte Veränderung beginnt: in dir selbst.

Fazit: Dein Weg zurück in die liebevolle Verbindung ist möglich

Deinen Körper wieder bewusst wahrzunehmen, auf ihn zu hören und ihn zu achten ist kein einmaliges Ziel, sondern ein Prozess der sich lohnt und der dich mehr und mehr zu dir zurück führt.

Du kannst heute damit anfangen, deinen Körper wahrzunehmen, ihn zu ehren, zu nähren und zu achten, genauso wie er ist. Er braucht keine Optimierung. Er braucht keine Schönheits OP. Er braucht kein Hungern oder vollgestopft werden. Er ist perfekt, so wie er ist. Begegne ihm ab heute jeden Tag mit etwas mehr Neugier, mit Respekt, mit Dankbarkeit, Liebe und Wertschätzung.

Achtsamkeit öffnet dir die Tür zu einer neuen Beziehung zu deinem Körper, zu deiner Geschichte, zu deinem Leben und zu dir selbst.
Diese Beziehung darf heilsam, sanft und zutiefst befreiend sein ❤️.

Ich wünsche dir viel Freude beim anwenden, umsetzen und integrieren und stehe dir bei Fragen von Herzen gern zur Verfügung. Melde dich einfach bei mir per email, via Social Media Kanäle oder mit dem Kontaktformular auf meiner Webseite.

Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Inhalte beruhen auf persönlichen Erfahrungswerten von meinen Klientinnen und mir und erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder abschließende Vollständigkeit. Alle Aussagen und Informationen sollen der Prävention und Aufklärung dienen und NICHT zum Nachahmen oder als Start in die Essstörung verstanden werden!

DEIN WEG AUS DER BULIMIE

FREE WEBINAR: DEIN WEG AUS DER BULIMIE

E-BOOK / AUDIO: DEIN WEG AUS DER BULIMIE

YOUTUBE-KANAL: DEIN WEG AUS DER BULIMIE

PODCAST: RAUS AUS DER BULIMIE

rotes Logo mit einem in ein Kreuz verflochtenen Herzen

Persönliche Inspirationen von Andrea Ammann direkt in deinem Postfach

Trage deine E-Mail ein und erhalte wöchentlich wertvolle Impulse, Inspirationen und Aufgaben um deinen Weg aus der Bulimie in die Freiheit zu gehen.